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Ein anderes Bild von Demenz

Demenz ist kein einseitig ablaufender verheerender, neurologisch-biologischer Abbauprozess. Denn wie eine Demenz sich individuell entwickelt, wird in hohem Maß vom Umfeld, von der Art der Kommunikation und Interaktion sowie vom Milieu beeinflusst. Trotz Demenz können Menschen relativ glücklich leben. Demenz beinhaltet niemals nur Abbau, Trauer, Leid und Furcht!

Ein anderes Menschenbild


Aus dem Demenzkranken wird der Mensch mit Demenz. Er stellt keine ausgelöschte, sondern eine einzigartige Persönlichkeit mit dem Bedürfnis nach Liebe, Trost, und Einbindung, nach sinnvoller Betätigung und Identität dar. Er verfügt über eine hohe körperliche, emotionale und sinnliche Erlebensqualität und entzieht sich als Individuum schematisierenden Kategorisierungsversuchen.

Ein anderes Pflegeverständnis


Es geht nicht um Pflege im klassischen Sinn, sondern um die Begleitung von Menschen mit Demenz in ihrer konkreten Lebenssituation. Ziel dieser Begleitung (oder: personen-zentrierten Pflege) ist es, dem Menschen mit Demenz zu ermöglichen, sich als Person zu erfahren und sein Personsein zu stärken. Im Mittelpunkt steht das kontinuierliche Bemühen, Brücken zur Welt von Menschen mit Demenz zu bauen. Kreative, körper- und sinnesbezogene Kommunikations- und Interaktionsformen sind die wichtigsten Bausteine dieser Brücken. Singen, Lachen, Gestalten, Tanzen, Streicheln, Essen zelebrieren und Feste feiern sind nicht gelegentliches Beiwerk von Pflege, sondern zentrale Interaktions- und Handlungsformen. Qualitative Methoden zur Überprüfung des Pflege- und Betreuungsprozesses wie z.B. das Dementia Care Mapping spielen eine wichtige Rolle. Ein anderes Verständnis bei den Betreuenden. Die Betreuenden verstehen sich als Begleiter/innen des Menschen mit Demenz. Eine suchende Grundhaltung und die Fähigkeit, mit unstrukturierten Situationen umgehen zu können, zeichnen sie aus. Jede noch so unsinnig erscheinende Handlung und Verhaltensweise eines Menschen mit Demenz wird als sinnbehaftet verstanden; die Aufgabe ist es, diesen Sinn zu entschlüsseln und zu übersetzen. Die Betreuenden sind in der Lage, sich auf die Welt und die Sichtweise von Menschen mit Demenz vollkommen einzulassen und von ihnen auch anzunehmen und zu lernen. Sie bringen sich als Person ganz ein und reflektieren ihr Tun. Sie geben nicht nur, sondern sie sorgen im Sinne einer Selbstpflege der Pflegenden auch für ihr eigenes physisches und psychisches Wohlbefinden. Sie sind bereit, kontinuierlich Neues zu erlernen.

Eine andere Form des Miteinanders


Begleitung von Menschen mit Demenz bedeutet eine nicht-hierarchische Zusammenarbeit aller Beteiligten. Berufliche Helfer/innen und pflegende Angehörige, Menschen mit und Menschen ohne Demenz, Helfer/innen mit (pflege)beruflichem Abschluss und Hauswirtschaftskräfte/Präsenzkräfte: Sie arbeiten auf der Basis eines gemeinsamen Grundverständnisses auf gleicher Augenhöhe zusammen. Weder Angehörige von Menschen mit Demenz noch berufliche Helfer/innen sind nachrangige Hilfskräfte der jeweils anderen. Kooperation beinhaltet ein auf Gleichberechtigung und Partnerschaft basierendes Bündnis zwischen familiär und beruflich Betreuenden. Die Betreuenden profitieren von den unterschiedlichen Perspektiven, die sie in die Beziehung zu Menschen mit Demenz entwickeln und tragen gemeinsam zur Stärkung der Identität bei. Auch in der Interaktion mit dem Menschen mit Demenz stellen Verhandlung und Zusammenarbeit zentrale Inhalte dar.

Andere Rahmenbedinungen

Eine neue Kultur der Begleitung von Menschen mit Demenz benötigt Rahmenbedingungen, unter denen sie sich entwickeln und entfalten kann. Personenzentrierte Pflege und Begleitung findet vor allem in kleinen Wohn- und Betreuungseinheiten statt. Betreuungskonzepte sind speziell auf die spezifischen Anforderungen von Menschen mit Demenz ausgerichtet. Kontinuierliche und praxisbegleitende Qualifizierung der Mitarbeiter/innen (Training on the job) und betrieblich sicher gestellte Selbstpflege der Mitarbeiter/innen sind ebenso Standards wie effektive Formen der Zusammenarbeit von beruflich und familiär Betreuenden.

Für viele Menschen und Einrichtungen stellen diese Grundpositionen noch Zukunftsmusik dar. Andere haben jedoch gezeigt, dass sie Realität werden können. Veränderungen sind möglich, wenn es Menschen gibt, die eine Vision haben und an die Möglichkeit der Veränderung glauben.Der Weg zu einer Neuen Kultur in der Begleitung von Menschen mit Demenz ist kein schneller und einfacher, aber ein notwendiger und gangbarer Weg.

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